Familienfreundlichkeit: Ein Thema in Krise und Wahlkampf?
Sehr geehrte Damen und Herren,
wer hat sich nicht in den vergangenen Monaten mehr Nachhaltigkeit und Verantwortungsgefühl in Politik und Finanzwirtschaft gewünscht?
Als Firmenvertreter und als Bürger können und müssen auch Sie wichtige Entscheidungen treffen, um das wirtschaftliche Ergebnis Ihres Betriebes und die politische und gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes mit zu beeinflussen.
Angesichts der nahenden Bundestagswahl haben wir den Kandidaten der fünf großen Parteien in Regensburg vier Fragen zum Thema Frauen- und Familienfreundlichkeit gestellt.
Wie Frauen- und Familienorientierung im Betrieb nicht zu höheren Kosten führt, sondern sogar beim Sparen hilft, erfahren Sie im kostenlosen Praxisseminar „Familienfreundlichkeit – ein nutzbringender Aspekt der Personalplanung“ - veranstaltet von der IHK Regensburg zusammen mit den lokalen Bündnissen, der Volkshochschule Regensburg und dem Amt für kommunale Jugendarbeit der Stadt Regensburg.
Über die Seminartermine und andere wissenswerte Neuigkeiten informiert Sie die aktuelle Ausgabe des Runtingerbriefes.
Hier sind die Themen im Überblick:
1. Aktuelles/Termine 2. Familienfreundlichkeit – Seminarreihe für Personalverantwortliche 3. Förderprogramm Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung 4. Der Runtingerbrief fragt – Kandidaten antworten 5. Nachlese Mini-Regensburg 6. Kontaktadressen, Literaturtipps und Links
Viel Vergnügen beim Lesen des Runtingerbriefs wünscht Ihnen
Ihre Stefanie Breuer-Indefrey
Redaktion Aktionskreis „Familie und Beruf“
1. Aktuelles
Margarethe-Runtinger-Preis – Der Wettbewerb läuft!
Gestaltung: Regina Hellwig-Schmid
Nach Eingang aller Bewerbungen wurden durch die Jury aus VertreterInnen der Regensburger Stadtratsfraktionen, der Gleichstellungsbeauftragten von Stadt und Landkreis Regensburg, der IHK-Regensburg, der HWK Ndb./OPf., der Wirtschaftsjunioren, des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Regensburg und dem Regionalzentrum Frau und Beruf diejenigen Unternehmen ausgesucht, die in die engere Auswahl für die Prämierung kommen.
Diese Unternehmen werden im Zeitraum von Juli bis September von Jury-Mitgliedern besucht, damit diese sich vor Ort von den in der Bewerbung beschriebenen Qualitäten überzeugen können. Am 15. Oktober wird der Margarethe-Runtinger-Preis im Rahmen eines Festaktes durch Herrn Oberbürgermeister Schaidinger und Herrn Staatssekretär Sackmann an die Gewinner der drei Wettbewerbskategorien verliehen.
2. Familienfreundlichkeit – Seminarreihe für Personalverantwortliche
„Familienfreundlichkeit – ein nutzbringender Aspekt der Personalentwicklung“
Angesichts der sinkenden Geburtenrate in der Oberpfalz und im gesamten Bundesgebiet droht ein Mangel an Arbeitskräften, der – unabhängig von der augenblicklichen Situation in der Wirtschaft – auf Dauer eine immer größere Belastung für unsere Firmen wird. Frauen- und Familienorientierung im Betrieb hilft, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Sie ist somit ein wichtiger Schritt gegen Fachkräftemangel und für nachhaltiges und betriebswirtschaftlich sinnvolles Wirtschaften.
Gemeinsam mit der Volkshochschule Regensburg und dem Amt für kommunale Jugendarbeit der Stadt Regensburg sowie mit den lokalen Bündnissen veranstaltet die IHK Regensburg das Praxisseminar „Familienfreundlichkeit – ein nutzbringender Aspekt der Personalplanung“. Im März 2009 wurde das Seminar zum ersten Mal durchgeführt und wird aufgrund der besonders positiven Resonanz wiederholt.
Das Seminar gibt Antworten auf die Fragen:
• Wie funktioniert Familienorientierung in der Praxis? • Was bringt sie? • Was kostet sie?
Die Referentin:
Geleitet wird das Seminar von Frau Astrid Travi, professionelle Trainerin, Beraterin und Coach. Als Personalreferentin hat Frau Travi bei den Firmen Infineon und Krones das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ direkt in den betrieblichen Alltag umgesetzt. Als Mutter von drei Kindern ist sie mit dem Thema auch bestens aus Mitarbeitersicht vertraut.
Überzeugende Beispiele aus der Praxis:
Der Vortrag wird durch Praxisberichte von Unternehmen aus unserer Region ergänzt, die für ihre erfolgreiche Frauen- und Familienfreundlichkeit mit dem Margarethe-Runtinger-Preis ausgezeichnet wurden. Im März 2009 waren dies die früheren Preisträgerinnen Frau Sabine Zirngibl-Brandl von der Regensburger Firma Biometric GmbH und Frau Christine Schweiß von der Firma Moden Schweiß GmbH in Schierling. Auf dem Seminar am 2. Dezember werden zwei neu gekürte Margarethe-Runtinger-Preisträger aus ihrem Betrieb berichten.
Termine und Orte:
22.10.09 Kelheim Landratsamt 29.10.09 Weiden IHK-Akademie 05.11.09 Schwandorf Agentur für Arbeit 02.12.09 Regensburg IHK
jeweils 14:00 – ca. 17:00 Uhr Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenfrei. Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmerzahl auf 30 Personen begrenzt ist. Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben.
Das Bundesfamilienministerium verlängert die Antragsphase für das im Februar 2008 gestartete bundesweite Förderprogramm Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) um ein Jahr bis Ende 2010. Mit der Verlängerung der Antragsphase schafft das Bundesministerium neue Anreize für betriebliche Kinderbetreuung und trägt der aktuellen Wirtschaftslage Rechnung.
Neben den Antragsfristen werden auch die Fördermöglichkeiten erweitert: Das Programm öffnet sich öffentlichen Kofinanzierungsmöglichkeiten durch Länder und Kommunen. Somit können Unternehmen und Träger der Betreuungseinrichtung ab sofort auch weitere Finanzierungsquellen nutzen.
Mehr Informationen können Sie unter www.erfolgsfaktor-familie.de/kinderbetreuung abrufen.
3. Der Runtingerbrief fragt – Kandidaten antworten
Anlässlich der kommenden Wahlen zum Deutschen Bundestag haben wir den Kandidaten der großen Parteien in Regensburg (CSU, FDP, SPD, Grüne, Die Linke) zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf vier Fragen gestellt.
Hier finden Sie die Antworten von Jürgen Huber (Die Grünen), Peter Aumer (CSU) und Horst Meierhofer (FDP) in der Reihenfolge ihres Eingangs. Richard Spieß (Die Linke), und Karl Söllner (SPD) haben bis zum Redaktionsschluss leider nicht geantwortet.
Jürgen Huber (Die Grünen)
1. Was fällt Ihnen zum Thema Familienfreundlichkeit ein?
Familienfreundlichkeit wird oft nur als verdeckender Begriff für Berufstätigkeit beider Eltern gebraucht. In der Tat sind viele Familien auf die Einkünfte beider Ehepartner angewiesen, um z. B. Kinder gut versorgen zu können und einen adäquaten Lebensstil führen zu können. Tatsächlich wird die Familienpolitik auch oft ideologisch genutzt, um den Staat von Aufgaben zu entlasten, oder um von Versäumnissen konservativer Ideologie abzulenken. Die noch amtierende Familienministerin kann ein Lied singen, wie schwer sie es in ihrer eigenen Partei hat. Familienpolitik muss aber, wie alle anderen Politikfelder auch, integraler Bestandteil einer insgesamt nachhaltigen Politik sein, wie sie die Grünen vertreten. Ein Beispiel: Wenn wir von enormen Kosten durch die Klimaerwärmung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ausgehen, dürfen wir zugleich von extremen Kosten für die Gesellschaft ausgehen, bei der Beseitigung von Umweltschäden (Versteppung, Dürre, Überschwemmungen, Starkregen etc.), in der Behandlung von Krankheiten, in der Konversion der Wirtschaft, um nur ein paar Folgen anzusprechen, dann wird sich das alles auf die Versorgung der Familen niederschlagen, wie auch jetzt in der Finanzkrise.
2. Wie sehen Sie die Maßnahmen und Aktionen der derzeitigen Bundesregierung zur Erhöhung und Verbesserung der Erwerbsbeteiligung von Frauen (Perspektive Wiedereinstieg, Frauen machen Karriere), insbesondere in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen (Komm mach MINT) und die Förderung von Familien mit Kindern (Elterngeld, Erhöhung Kindergeld)?
Grundsätzlich muss natürlich gelten, dass für gleiche Arbeit gleicher Lohn bezahlt werden muss, dass die Karriere-Chancen von Frauen nicht durch das Geschlecht diskriminiert werden dürfen und dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Männer attraktiv gemacht werden muss. Ich glaube aber nicht, dass Kindergeld und sonstige finanzielle Transferleistungen zu mehr Kinderwünschen in unserer Gesellschaft führen werden. Der Staat muss finanzielle Notsituationen, die durch Kinder in sozial schwachen Familien entstehen, abfedern, aber es darf auch keine "Kinderprämie" geben. Nicht alles ist in Geldwert zu messen, daran krankt unser ganzes soziales System eh schon.
3. Was werden Sie persönlich im Rahmen eines Mandates für frauen- und familienfreundliche Arbeits- und Lebensbedingungen in Zukunft tun? (Welche Haltung haben Sie z. B. zum Thema Ehegattensplitting, durch welches berufstätige Ehefrauen häufig benachteiligt werden?)
Benachteiligungen zu Ungunsten von Ehefrauen müssen abgeschafft werden. Dafür würde ich mich einsetzen. Dazu zählt für mich aber auch die Einführung eines angemessenen Mindestlohns, von dem v. a. Frauen profitieren würden, denn diese arbeiten überproportional oft im Niedriglohnsektor.
4. Wie sieht Ihre Idealvorstellung zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann vor allem durch die Gleichbehandlung der Aufgaben von Männern und Frauen hergestellt werden. In der Praxis wird meist versucht, den oft schlechter gestellten Frauen ein „Häppchen" zuzuwerfen. Aber es ist nicht zu verstehen, warum Männer weniger verantwortlich für Erziehung, häusliche Versorgung etc. sein sollen. Das erbittert verteidigte patriarchale Rollenbild der Union ist das größte Hindernis in der Umsetzung allgemeiner Gleichberechtigung, die natürlich auch den Beruf beinhaltet.
Peter Aumer (CSU)
1. Was fällt Ihnen zum Thema Familienfreundlichkeit ein?
Familienfreundlichkeit ist dann gegeben, wenn Mütter und Väter neben Einrichtungen und Infrastrukturen, wie z.B. Krippenplätzen, auch Unternehmen mit familienfreundlichem Engagement sowie Arbeitsmärkte vorfinden, die einen sicheren Unterhalt der Familie gewährleisten und den Wiedereinstieg von Frauen in den Beruf erleichtern
2. Wie sehen Sie die Maßnahmen und Aktionen der derzeitigen Bundesregierung zur Erhöhung und Verbesserung der Erwerbsbeteiligung von Frauen (Perspektive Wiedereinstieg, Frauen machen Karriere), insbesondere in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen (Komm mach MINT) und die Förderung von Familien mit Kindern (Elterngeld, Erhöhung Kindergeld)?
Die familienpolitischen Leistungen der letzten Legislaturperiode sprechen für sich. Es wurden bessere Rahmenbedingungen geschaffen, mit denen es den Familien in Deutschland besser geht und Familien zu mehr Kindern ermutigt werden. Insgesamt profitieren 16 Millionen Kinder und ihre Familien von der erfolgreichen Familienpolitik der Bundesregierung. Dazu gehört der Ausbau der Kindertagesbetreuung mit dem Betreuungsgeld, was für mehr Wahlfreiheit sorgt, das Elterngeld mit den Vätermonaten für mehr Flexibilität und die Ausweitung des Kinderzuschlags und die Erhöhung des Kindergeldes für mehr finanzielle Unterstützung.
3. Was werden Sie persönlich im Rahmen eines Mandates für frauen- und familienfreundliche Arbeits- und Lebensbedingungen in Zukunft tun? (Welche Haltung haben Sie z.B. zum Thema Ehegattensplitting, durch welches berufstätige Ehefrauen häufig benachteiligt werden?)
Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde ich vor allem bei Unternehmen dafür werben, Familienfreundlichkeit noch mehr als Wirtschaftsfaktor zu sehen und Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzuführen, z.B. Programme zum beruflichen Wiedereinstieg, betriebliche Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle, und Telearbeit.
Um Familien bei einer gewünschten Neuausrichtung der Verantwortlichkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, sind meines Erachtens die Partnermonate des Elterngeldes durch eine Verlängerung weiter auszubauen. Des Weiteren sollte die Umsetzung des beschlossenen Ausbaus von Kinderbetreuungsplätzen mit Nachdruck vorangetrieben werden.
Ich bin für die Beibehaltung des Ehegattensplittings. Eine Abschaffung widerspricht unseren verfassungsmäßigen Vorgaben und würde zudem zu einer massiven Steuererhöhung gerade auch für ältere Familien führen. Vor allem Familien, bei denen Frauen in der Vergangenheit Kinder erzogen, auf eigene Berufstätigkeit verzichtet und deren Kinder mittlerweile das Haus verlassen haben, verlieren den gerechten und verfassungsrechtlich gebotenen Steuervorteil des Ehegattensplittings. Von den rund 20 Milliarden Euro, die das Ehegattensplitting ausmacht, entfällt ein erheblicher Anteil auf diese Frauengeneration, welche im Vertrauen auf den Bestand des Ehegattensplittings ihre Lebensplanung eingerichtet hat. Diesen Müttern und Frauen in einer späteren Lebensphase den Steuervorteil zu nehmen und die Steuer gezielt für diese Gruppe zu erhöhen, ist unverantwortlich und im höchsten Maße ungerecht.
4. Wie sieht Ihre Idealvorstellung zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
Eltern dürfen nicht in ein bestimmtes Lebensmodell gedrängt werden. Vielmehr sollen sie selbst entscheiden können, wie sie ihre Kinder erziehen. Deshalb brauchen wir mehr und bessere Betreuungsangebote. Zu der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehören familiengerechte Arbeitsplätze und nicht arbeitsplatzgerechte Familien.
Horst Meierhofer (FDP)
1. Was fällt Ihnen zum Thema Familienfreundlichkeit ein?
Eltern sollen die Wahlfreiheit haben, Familienleben und Erwerbstätigkeit in Einklang zu bringen.
Die FDP-Bundestagsfraktion setzt sich daher für die Schaffung ausreichender, zeitlich flexibler und qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsangebote ein (vgl. auch den Antrag „Sofort-Programm für mehr Kinderbetreuung“, BT-Drs. 16/5114). Ein zügigerer Ausbau der Kinderbetreuung wird aber nur dann erreicht werden, wenn privat-gewerbliche Einrichtungen und Betriebe, private Initiativen, Elternvereine sowie Tagesmütter und –väter verstärkt Kindertagesbetreuung, vor allem im Krippenbereich, anbieten. Die FDP will privaten und privat-gewerblichen Trägern einen gleichberechtigten Zugang zu öffentlicher Förderung gewährleisten.
Für Kinder sollen Bildungs- und Betreuungsgutscheine als familienpolitische Leistung des Bundes ab dem vollendeten ersten Lebensjahr eingeführt werden statt die einzelne Einrichtung zu subventionieren (Objektförderung). Mit den Gutscheinen können Eltern Bildungsangebote für ihre Kinder nutzen, wie zum Beispiel Krippen, Musikschulen und Sportvereine.
Die FDP setzt sich ferner für einen Rechtsanspruch auf einen ganztägigen Kinderbetreuungsplatz ab Vollendung des ersten Lebensjahres eines Kindes ab 2013 ein. Das pädagogische Personal im Bereich der Kinderbetreuung muss so aus- und weitergebildet werden, dass es den gewachsenen Ansprüchen an die vorschulische Bildung und Betreuung gerecht wird.
Zu familienfreundlichen Bedingungen zählen auch eine familiengerechte Arbeitswelt, eine Kultur der Anerkennung der Leistungen und Kompetenzen der Eltern und eine gute soziale Infrastruktur für Familien und Alleinerziehende.
2. Wie sehen Sie die Maßnahmen und Aktionen der derzeitigen Bundesregierung zur Erhöhung und Verbesserung der Erwerbsbeteiligung von Frauen (Perspektive Wiedereinstieg, Frauen machen Karriere), insbesondere in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen (Komm mach MINT) und die Förderung von Familien mit Kindern (Elterngeld, Erhöhung Kindergeld)?
Es ist der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gelungen, die Belange der Familie in den Blickpunkt zu rücken. Für Frauen hat sich aber viel zu wenig getan. Es sind noch immer vor allem die Frauen, die den täglichen Spagat zwischen Familie und Beruf vollbringen. Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen liegen bundesweit bei 23 Prozent.
Die FDP setzt sich dafür ein, dass es in unserer Gesellschaft jeder Frau und jedem Mann ermöglicht wird, das Leben eigenverantwortlich zu gestalten.
Die FDP will darüber hinaus solide finanzielle Rahmenbedingungen für alle Familien schaffen und fordert im Rahmen ihres Steuerstufenmodells die Erhöhung des Kindergeldes auf 200 Euro. Zusammen mit einem Grundfreibetrag von 8.004 Euro für Erwachsene und dann auch für Kinder würden viele Familien keine Einkommenssteuer mehr zahlen. Ihnen würde mehr Geld netto zur Verfügung stehen. Kinderbetreuungskosten und Pflegekosten sollen bis zu 12.000 Euro im Jahr gegen Nachweis der Kosten von der Steuer abgesetzt werden.
Die Steuerklasse V, die die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit besonders für Frauen nach einer Familienpause steuerlich unattraktiv erscheinen lässt, wird abgeschafft.
Für diejenigen, die nicht über ein ausreichendes Einkommen verfügen, soll ein Universaltransfer in Form eines leistungsgerechten und existenzsichernden Bürgergeldes gegen Armut helfen.
Die FDP setzt sich ferner für Verbesserungen beim Elterngeld ein und fordert, dieses an das Brutto- und nicht an das Nettoerwerbseinkommen anzuknüpfen, damit eine Schlechterstellung der Eltern aufgrund der Wahl der ungünstigen Steuerklasse vermieden wird, solange diese noch besteht. Die Interessen von Selbstständigen müssen stärker berücksichtigt werden; sie erhalten bei einer Tätigkeit von mehr als 30 Stunden wöchentlich unabhängig von der Höhe ihres Einkommens derzeit kein Elterngeld. Wir wollen, dass die Elternzeit unbürokratisch und flexibel auch wochen- oder tageweise im Rahmen eines Zeitbudgets im Einvernehmen mit den Arbeitgebern möglich ist. Vollzeit berufstätige Eltern, die sich für eine gemeinsame Teilzeit entscheiden, dürfen finanziell nicht benachteiligt werden.
Die FDP will ferner jedem Elternteil, das BAföG bezieht, ermöglichen, nach der Geburt ihres Kindes statt eines Teildarlehenserlasses nach dem Studium für die Dauer ihres BAföG-Bezuges eine Zulage (Baby-BAföG) zu erhalten. Dies wird bei Müttern die Chancen für ein erfolgreiches Studium und damit für eine spätere hochwertige Beschäftigung erheblich steigern. Frauen entscheiden sich heute noch immer häufiger für geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche als für Mathematik oder naturwissenschaftliche Studiengänge. Die FDP fordert deshalb im Rahmen des Hochschulpaktes von Bund und Ländern ein bundesweites Programm zur Studienorientierung und Studienberatung aufzulegen, das das Interesse junger Frauen zur Aufnahme eines Studiums als Weg in den Beruf fördert und ihnen Karrierechancen auch in den MINT-Fächern aufzeigt. Ferner sollte das Professorinnenprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung besonders auf die MINT-Fächer ausgerichtet werden.
3. Was werden Sie persönlich im Rahmen eines Mandates für frauen- und familienfreundliche Arbeits- und Lebensbedingungen in Zukunft tun? (Welche Haltung haben Sie z.B. zum Thema Ehegattensplitting, durch welches berufstätige Ehefrauen häufig benachteiligt werden?)
Die FDP setzt sich dafür ein, dass es in unserer Gesellschaft jeder Frau und jedem Mann ermöglicht wird, das Leben eigenverantwortlich zu gestalten.
Liberale Frauenpolitik setzt auf die Qualifikation, die Stärken und die Leistungsbereitschaft von Frauen. Frauen sind besser qualifiziert als jemals zuvor. So sind mittlerweile 59 Prozent aller Hochschulabsolventen Frauen. Sie bringen besondere Perspektiven, Wissen und Erfahrungen mit, auf die die Gesellschaft nicht verzichten kann. Die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern setzt einen gesellschaftlichen Wandel im weiblichen und im männlichen Rollenverständnis voraus.
Um die Chancen von Frauen in unserer Gesellschaft zu verbessern, ist daher von Staat und Politik eine Querschnittspolitik im Sinne des sog. Gender Mainstreaming gefordert. Zentrale Handlungsfelder sind die Bildungspolitik (u. a. Beeinflussung des Berufswahlverhaltens, Abbau von Rollenklischees), die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik (frauen- und familienfreundliche Personalpolitik, Flexibilisierung der Arbeit, Entgeltgerechtigkeit, Abschaffung der Steuerklasse V) und die Familienpolitik (z. B. Ausbau der Kindertagesbetreuung).
Die Ehe ist in Art. 6 des Grundgesetzes geschützt. Das Bundesverfassungsgericht verlangt, dass sich dies auch bei der Besteuerung wiederfinden muss. Aus diesem Grund kann das Ehegattensplitting grundsätzlich nicht abgeschafft werden. Der Splitting-Vorteil ist in dieser Legislaturperiode durch SPD und CDU/CSU aufgrund der Reichensteuer sogar noch erheblich ausgeweitet worden: Statt bei bis zu 8.000 Euro liegt er nunmehr bei bis zu 15.043 Euro. Nach dem Steuer-Stufenmodell der FDP wäre aufgrund der geringen Tarife eine Abschmelzung des Splitting-Vorteils auf bis zu 5.000 Euro bei jedem Normalverdiener- Ehepaar die Folge.
4. Wie sieht Ihre Idealvorstellung zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
Eltern sollen Familienleben und Erwerbstätigkeit in Einklang bringen können und Alleinerziehende sind zu unterstützen.
Die FDP setzt sich für die Schaffung ausreichender, zeitlich flexibler und qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsangebote ein (vgl. auch den Antrag „Sofort-Programm für mehr Kinderbetreuung“, BT-Drs. 16/5114). Ein zügigerer Ausbau der Kinderbetreuung wird aber nur dann erreicht werden, wenn privat-gewerbliche Einrichtungen und Betriebe, private Initiativen, Elternvereine sowie Tagesmütter und –väter verstärkt Kindertagesbetreuung, vor allem im Krippenbereich, anbieten. Die FDP will privaten und privat-gewerblichen Trägern einen gleichberechtigten Zugang zu öffentlicher Förderung gewährleisten, damit der Ausbau der Kinderbetreuung schneller voran geht und flexibler gestaltet wird, damit Müttern, die am Wochenende arbeiten müssen, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ermöglicht wird.
Für Kinder sollen Bildungs- und Betreuungsgutscheine als familienpolitische Leistung des Bundes ab dem vollendeten ersten Lebensjahr eingeführt werden.
Die FDP setzt sich ferner für einen Rechtsanspruch auf einen ganztägigen Kinderbetreuungsplatz ab Vollendung des ersten Lebensjahres eines Kindes ab 2013 ein. Männer sollen ermutigt werden, Familienarbeit zu leisten.
Die FDP setzt sich ferner für eine Familienfreundlichkeit in Betrieben ein. Viele Betriebe haben bereits konkrete familienfreundliche Regelungen zur Arbeitszeit, zur Telearbeit oder einer Qualifizierung während der Elternzeit und bieten Kinderbetreuung an. Eine bereits im Jahr 2003 in Auftrag der Bundesregierung erstellte Studie der Prognos AG belegt den betriebswirtschaftlichen Nutzen familienfreundlicher Maßnahmen in kleinen und mittleren Unternehmen mit einer Rendite von bis zu 25 Prozent. Die Einsparpotentiale bei den Unternehmen bewegten sich für mittelgroße Unternehmen in einer Größenordnung von mehreren 100.000 Euro. Hierüber sollten Unternehmen verstärkt informiert werden.
4. Nachlese Mini-Regensburg 2009
Mini-Regensburg – Das Ferienprogramm für 8 - 14jährige Kinder aus Regensburg und Umgebung
„Mini-Regensburg ist jetzt leider aus. Danke an alle Mitarbeiter, die uns diesen Spaß ermöglicht haben“, schreibt der ehemalige Mini-Regensburg Bürger Julian in das Gästebuch der Kinderstadt. Auch bei den Einträgen anderer Kinder mischt sich eine gewisse Wehmut mit der Hoffnung, in zwei Jahren wieder bei der Kinderstadt dabei sein zu können.
„14040 Bürgerinnen und Bürger in drei Wochen, das heißt durchschnittlich 1003 Kinder täglich, das ist die stolze Bilanz von Mini-Regensburg“, berichten Rosemarie Wöhrl und Reiner Wild, die die Projektleitung der Kinderstadt innehatten. Was für die Kinder ein großes Abenteuer war, kostete auch den Erwachsenen einiges an Energie.“ Das Amt für kommunale Jugendarbeit war täglich mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort. Insgesamt waren circa 100 erwachsene Betreuer in Mini-Regensburg unterwegs“, erläutert Rosemarie Wöhrl.
Drei Wochen kontrollierte Anarchie. Da gibt es so viele besondere Momente, dass man wohl nicht weiß, wo man beginnen soll: “Ein Highlight war sicherlich der Radiosender mrfm2009, der über die Grenzen von Mini-Regensburg hinaus auch im großen Regensburg zu hören war. Alles, von Moderation über Musikauswahl, Technik und Redaktion wurde von den Kindern übernommen“, blickt Reiner Wild zurück.
Auch Bürgermeister Weber, der die Ministadt mehrmals besuchte und eine Vorlesung an der Universität hielt zeigt sich begeistert: “Mich haben die Kinder sehr beeindruckt. Ihre Kreativität und ihr Organisationstalent ebenso wie der Gemeinschaftssinn, der sich im Lauf der drei Wochen entwickelt hat. Mini-Regensburg ist ein Erfolgskonzept.“
Ein Erfolg, an dem viele städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt waren und der teilweise nur mit Hilfe von ehrenamtlichen Unterstützern und Sponsoren erreicht werden konnte. Es hat sich gelohnt.
Und 2011? Kaum vorstellbar, dass sich das Schulgelände nicht wieder in den „magischen Ort“ Mini-Regensburg verwandeln soll…
Regensburger Bündnis für Familie Anna Schledorn Stadt Regensburg Amt für kommunale Jugendarbeit Ostengasse 29 93047 Regensburg Tel.: 0941 / 507-1557 Fax: 0941 / 507-4559
Amt für Tagesbetreuung von Kindern Stadt Regensburg Sieglinde Kolbinger-Preißer Von-der-Tann-Straße 1 93047 Regensburg Tel.: 0941 / 507-1520 E-Mail: amt_fuer_tagesbetreuung_von_kindern@regensburg.de
Publikationen
Die Bundestagswahl aus Genderperspektive - Wie und ob Frauen und Männer unterschiedlich wählen und wovon Sie sich in Ihrer Wahlentscheidung beeinflussen lassen, können Sie hier nachlesen:
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